Gemeinsame Ausbildung: Aufgleisen eines Waggons

Unfälle auf Bahnanlagen sind selten, bergen hingegen ein erhebliches Gefährdungspotential für die Helfer. Umso wichtiger ist die gemeinsame Ausbildung der Hilfsorganisationen, die im Ernstfall zusammenarbeiten müssen. Die 1. Bergungsgruppe des 1. Technischen Zuges aus Hamburg Nord und die 1. Bergungsgruppe des 2. Technischen Zuges aus Hamburg Altona des THW und Kräfte der G.A.R.D. und der Falck eV. trainierten gemeinsam das Aufgleisen eines Bahnwaggons.

Die G.A.R.D. (Gemeinnützige Ambulanz und Rettungsdienst GmbH) unterhält bei der Akademie für Notfallmedizin auch ein „Übungsgleis“, auf eine Ausbildung unter sicheren Bedingungen durchgeführt werden kann. Das Aufgleisen (also das Aufsetzen eines oder mehrerer Waggons auf die Bahnschienen) sollte nur durch geschultes Personal erfolgen, um die Gefährung von Hilfs- und Einsatzkräften auf ein Minimum zu beschränken.

Bahnanlagen weisen unter anderem folgende, wesentliche, Gefahrenquellen auf:

Elektrizität: Moderne Züge werden durch Strom angetrieben, entweder über Oberleitungen oder stromführende Systeme im Gleissystem. Auch abgeschaltete Systeme können noch Restspannungen von bis zu 7.000 Volt verfügen, erst eine Erdung schafft Sicherheit. Aufgrund der hohen Spannungen und Ströme muss zu stromführenden Anlagen ein Mindestabstand von wenigstens 3 Metern eingehalten werden (es gab schon tödliche Unfälle beim „Bahn-Surfen“ oder Graffity-Sprayen, weil dies nicht bedacht wurde!). Erst, wenn der Notfallmanager der Bahn die Gleisanlage freigibt, darf diese betreten werden!

Geschwindigkeiten: Moderne Züge fahren mit sehr hohen Geschwindigkeiten (bis über 80 Meter pro Sekunde!), haben dabei sehr lange Bremswege. Bereits ein vorbeifahrender Zug kann Sog- und Druckkräfte verursachen, die tödliche Unfälle nach sich ziehen. Ein nahender Zug ist dabei kaum akustisch vernehmbar!

Weichenanlagen: Weichen bergen die Gefahr von Quetschungen, arbeiten sehr schnell. Einfacher Merksatz: „Weichen weichen“!

Andere Zugteile: Abgestellte Zugteile können sich (wegen des geringen Reibwiderstandes zwischen Schiene und Rad) relativ leicht in Bewegung setzen. Auch Zwischenräume zwischen Puffern bergen Gefahren!

Gewicht: Waggons haben generell ein sehr hohes Gewicht. Diese Massen anzuheben und zu bewegen, ist an sich schon gefährlich. Technische Besonderheiten moderner Züge sind nur geschultem Personal bekannt und eine Grundlage für sicheres Arbeiten.

Besondere Unterlage: Weder das Schotterbett, die Schwellen, noch die glatten Schienenköpfe erlauben es, sicher zu Stehen oder zu Laufen. Besondere Vorsicht ist hier notwendig!

Das Anheben mittels Hebekissen, Hydraulikhebern und anderer Hilfsmittel erfordert an sich schon eine fundierte Ausbildung. In Kombination mit dem besonderen Gefährdungspotential von Bahnanlagen werden die Aufgaben des THW und anderer Hilfsorganisationen wirklich anspruchsvoll.

Alle Beteiligten waren sich einig: Die Ausbildung war sehr wertvoll und hat auch die Zusammenarbeit für den Ernstfall nachhaltig verbessert. Das gemeinsame Üben soll auf jeden Fall fortgeführt werden. Ein besonderer Dank gilt der Akademie für Notfallmedizin, die diese spannende Übung möglich gemacht hat.

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