Deichverteidigungsübung mit dem THW und der Bundeswehr – „Die Hubschrauber kommen“

Hamburg den 14. April 2013

Eine gute Vorbereitung für den Einsatzfall ist unerlässlich. Daher trainiert nicht nur das THW regelmäßig. Ein besonderes Ereignis ist eine zivil-militärische Übung, wie sie am vergangenen Wochenende stattfand. Als besonderes Highlight kamen die Kameradinnen und Kameraden aus dem THW Hamburg-Altona hier zwei Hubschraubern so nahe, wie selten.

Das letzte große Hochwasser in Deutschland ist bereits einige Jahre her, aber noch lange nicht in Vergessenheit geraten. Allzu real ist die Bedrohung durch die Wassermassen, die, einmal außer Kontrolle geraten, rasch Schäden in Millionenhöhe anrichten. Daher trainieren nicht nur das THW sondern alle im Ernstfall beteiligten Einheiten und Institutionen regelmäßig das Verhalten im Hochwasserfall. Es ist dabei durchaus sinnvoll, eine gemeinsame Übung aller Beteiligten durchzuführen, um die Fähigkeiten auf dem neusten Stand zu halten, Wissen und Erfahrungen auszutauschen aber auch einen einheitlichen Weg der Kommunikation zu finden.

Vom Freitag den 12. auf Sonntag den 14. April 2013 fand ein Ausbildungsbiwak der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanie Hamburg statt, an dem auch sechs Kameradinnen und Kameraden des THW Altona teilnehmen durften.  Durchführungsort sollte der Stadtteil Wilhelmsburg und der dortige Elbdeich sein. Für das Biwak konnte der Truppenübungsplatz Langwedel in der Nähe der Ortschaft Bordesholm für die Unterbringung der Teilnehmer und den zweiten Teil der Übung genutzt werden.

Los ging es für die Teilnehmer am Freitag gegen 14 Uhr ab dem Ortsverband Hamburg-Altona. Nach der gemeinsamen Abfahrt ging es mit drei Fahrzeugen zum Sandsackdepot an der Straße „In de Huuk“. Dort warteten bereits die Reservisten und die beiden Hubschrauber vom Typ Bell UH-1D des Transporthubschrauberregiments 10 aus Faßberg. Die erste Aufgabe der Kameraden aus Altona bestand darin, einige Paletten mit Sandsäcken aus dem Deichsackdepot zur Landezone zu fahren. Für diese Arbeit erwies sich das Bergungsräumgerät als ideal. Nun beluden die Reservisten die Lastennetze mit jeweils zwanzig Sandsäcken. Damit ergab sich ein Gesamtgewicht des Lastgehänges von 400 Kilogramm. Zwar wäre die Bell UH-1D auch im Stande, bis zu 800 Kilogramm oder mehr anzuheben, doch kamen die Maschinen frisch getankt aus Faßberg und hatten damit noch nicht die maximale Tragfähigkeit erreicht. Zudem mussten sich die Piloten erst mit der Situation vor Ort vertraut machen und entschieden sich anfangs für die leichtere Beladungsform. Im Laufe des Übungsnachmittages wurden die Sandsäcke aufgestockt.

Neben dem korrekten Beladen und Einhängen der Netze in die Vierstrank-Lastgehänge, bei dem vor allem auf eine korrekte Lage der Stränge zu achten ist, um eine gerade Aufnahme durch den Helikopter zu ermöglichen, trainierten die Reservisten und später auch die Kameraden des THW das korrekte Einweisen der Hubschrauber und Einklinken des Gehänges in den Lasthaken am Rumpf der Maschine. Beim Einweisen zeigt das Bodenpersonal nicht nur den Landeplatz an, sondern idealerweise auch die Windrichtung (indem der Einweiser mit dem Rücken zum Wind steht). Ferner kann er dem Piloten durch die Haltung der Arne die Entfernung zum Boden signalisieren. Dabei ist eine genaue Absprache des Einweisers und des Bordmechanikers („Mixer“) wichtig, da dieser die Cockpitcrew einspricht.

Die Piloten haben auf den letzten Metern keine Sicht mehr zu den unter dem Rumpfarbeitenden Personen und den Zustand am Lasthaken. Ohne den Mixer wäre die Arbeit daher gefährlich und schwierig. Durch die drehenden Rotorblätter der Maschine kann sie sich im Flug, vor allem bei feuchtem Wetter, statisch stark aufladen. Daher fliegen die Piloten nicht direkt zum Einklinken sondern landen wenige Meter vor dem Einweiser, um die Bell zu erden. Nachdem die Maschine korrekt eingewiesen wurde, schwebt sie in circa ein bis anderthalb Metern Höhe, während zwei Helfer am Boden das Lastgehänge in den Lasthaken einklinken und den Sitz überprüfen. Nach Bestätigung, dass die Last sicher hängt, nimmt die Crew den Hubschrauber vorsichtig auf.

Der Mixer prüft nun ständig, dass sich die Stränge nicht verdrehen und die Last sauber und gerade aufgenommen wird, ohne sich zu verhängen. Dann steigt die Maschine davon. Besonders für die Helfer des THW war es eine ganz neue Erfahrung, derart dicht an einen so großen Hubschrauber zu gelangen und die schwere Maschine wenige Zentimeter über sich schweben zu haben. Besonders die Arbeit im starken Rotorabwind ist dabei eine ganz neue Erfahrung für die Teilnehmer gewesen.

Neben dem ein und aushängen wurde bereits am Freitag auch das Winchen, also das Aufnehmen und Absetzen von Personen mit der sogenannten Rettungsschlinge trainiert. Im Gegensatz zum Stehhaltegurt/Rettungsgeschirr sitzt die Rettungsschlinge nicht fest am Körper – daher muss beim Winchen auf einen Punkt besonders geachtet werden: Nachdem der Gurt möglichst schulternah um den Körper gelegt und geschlossen wurde, hält die zu winchende Person die Arme geschlossen vor dem Körper. Nur so kann sich die Schlinge beim Abseilen beziehungsweise Aufnehmen korrekt unter die Arme ziehen und sitzt sicher. Würde die Person in der Schlinge die Arme heben, könnte sie durchaus herausrutschen. Bei richtigem Umgang ist die Rettungsschlinge aber ein sicheres und bequemes Hilfsmittel. Im Gegensatz zum Geschirr kann die Schlinge auch von unerfahrenen Personen schnell an und abgelegt werden und eignet sich so auch in Situationen, in denen Menschen rasch an oder aus dem Heli gelangen müssen. Der Winchvorgang erfolgte beim Training aus etwa 10 bis 15 Metern Höhe, kann aber im Ernstfall je nach Winde zwischen 40 und 90 Metern betragen. Das Verfahren wird nicht nur von der Bundeswehr sondern auch von einigen Rettungsdiensten angewendet.

Für die Hamburger Rettungshundestaffel (BRH) ergab sich ferner im Laufe des Nachmittages die Möglichkeit, mit ihren Vierbeinern das herantreten an den laufenden Hubschrauber zu trainieren und festigen. Es zeigte sich schnell, dass einige Hunde überhaupt keine Angst vor dem doch so lauten Helikopter hatten, während andere Tiere mit viel Geduld an das „Ungeheuer“ herangeführt werden mussten.

Am Abend fuhren die Kameradinnen und Kameraden aus Altona zum gemeinsamen Biwak nach Langwedel bei Bordesholm. Ankunft war hier gegen 22 Uhr. Ein Zelt und Betten wurde durch die Organisatoren gestellt. Leider war das nächtliche Klima noch sehr winterlich nasskalt, sodass die beteiligten aufgrund der Kälte nur wenig Schlaf bekamen.

Der nächste Tag zeigte sich wettertechnisch leider wenig einladend. Zwar war es morgens noch relativ mild aber stark nebelig und ein ständiger Nieselregen mit leichtem Wind trieben rasch die letzte Wärme aus den Körpern. Auch der Kaffee beim Frühstück konnte da nur wenig Linderung bringen. Allerdings wurde allen Beteiligten beim anschließenden Marsch zum Übungsgebiet schnell wieder warm. Der Truppenübungsplatz erwies sich doch um deutlich größer, als in der Nacht angenommen.

Trotz der schlechten Sichtverhältnisse kamen die beiden Maschinen mit dreißig Minuten Verspätung ebenfalls am Platz an.

Nach ihrer Ankunft wurde das Training des Vortages nochmals aufgegriffen und vertieft. Einige der Teilnehmer, sowohl von Seitender Reservisten als auch vom THW, waren erst an diesem Samstag zur Gruppegestoßen. Für sie waren die Ausbildungsinhalte daher noch neu und wurden nochmals detailliert ausgearbeitet.

Die Teilnehmer teilten sich in zwei Gruppen – eine ging direkt zum Winchen, der andere zum Lastentransport. Bei optimalem Ablauf hätten beide Teams einmal tauschen können. Leider verbesserte sich die Wetterlage nicht, sodass der weitere Ablauf des Tages noch offen war.

Nach der Mittagspause stand für die Kameraden und Kameradinnen ein Orientierungsmarsch an. Eigentlich sollten die Teilnehmer mit den Helikoptern ins Umland geflogen werden und dann selbstständig dem Weg zurück zum Biwakplatz finden. Kurzfristig musste der Marsch dann aber doch ohne die Teilnahme der Helikopter stattfinden, da diese noch dem Tankstopp aufgrund der nun unter die Minima gefallenen Sicht und Wolkenuntergrenzen nicht mehr starten konnten.

Am Abend errichteten die Kameradinnen und Kameraden ein großes Kreuz aus Birkenstämmen am nahe gelegenen Brahmsee für den Sonntäglichen Gottesdienst, bevor man die Ereignisse des Tages beim gemeinsamen Grillen Revue passieren ließ.

Am Sonntag reisten die Teilnehmer nach dem Frühstück, dem folgenden Gottesdienst und einer Verabschiedung wieder in ihre Heimatbundesländer ab. Zurück liegt ein ereignisreiches Wochenende mit vielen, neu geknüpften Kontakten, schönen Erinnerungen und spannenden neuen Eindrücken. Es wäre nur wünschenswert, dass solche Übungen in regelmäßigen Abständen stattfinden – auch, um die zivil-militärische Zusammenarbeit weiter auszubauen und zu festigen.

Zum Ausbildungsbiwak waren folgende Gäste geladen:

Je 10 Teilnehmer der Regionalen Sicherung-.und Unterstützungskompanie Bremen, Holstein und Schleswig, 10 Teilnehmer der Regionalinitiative der Reservisten Thüringen, 10 Teilnehmer des Kompetenzzuges Büdingen, sechs Teilnehmer der Reservisten Arbeitsgemeinschaft Katastrophenschutz Hamburg und sechs Helfer des Technischen Hilfswerk Altona. Insgesamt waren an diesem Wochenenden über einhundert Teilnehmer nach Bordesholm gereist.

Text und Fotos: Caterina Heßler

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